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Umgebindehaus - Volksbauweise in der Oberlausitz


Umgebindehaus - Volksbauweise in der Oberlausitz
Umgebindehäuser an der Mandau in Großschönau
Bildurheber: Umgebindehaus - Jürgen Bollmann


Umgebindehaus - Volksbauweise in der Oberlausitz
Bildurheber: bollmann

Es gibt noch eine Vielzahl von Umgebindehäusern, die in der Oberlausitz, Nordböhmen und in Niederschlesien die Landschaft prägen. Diese bilden ein abgeschlossenes Gebiet einer einzigartigen volkstümlichen Architektur inmitten Europas. Zugleich sind diese Umgebindehäuser auch ein Zeugnis für die Bodenständigkeit der Bewohner und die Verbundenheit mit ihrer Heimat.

Ein Rückgang von ca. 15.000 Häusern innerhalb von 100 Jahren verdeutlich jedoch, wie wichtig es ist die noch bestehenden Bauwerke zu erhalten. In so einer Fülle treten nirgendwo solche Bauwerke mit einem derartigen Charakter auf.

Die Gegend von Löbau und Zittau bilden das Filetstück der noch vorhanden Umgebindehäuser. Diese zählen neben den in der Oberlausitz ebenfalls vorkommenden Fachwerkhäusern zu den wichtigsten und schönsten Gebäuden der hölzernen Architektur.

 

Geschichte und Entwicklung

Vor etwa 900 Jahren wurden die Oberlausitz und Nordböhmen durch Deutsche, Tschechen, Sorben und in Nordböhmen durch Roma besiedelt. Die Textil- und Glaserzeugung sowie die Landwirtschaft waren die vorherrschenden Wirtschaftszweige.
Die Blockbauweise war das Merkmal der Slawen. Die Ostexpansion begann im 10. Jahrhundert und die Germanen (Thüringer, Franken und Flamen) besiedelten das Land.  Ihre Häuser wurden in der Fachwerkbauweise errichtet.
Das Umgebindehaus ist eine Entwicklung aus beiden Bauweisen. So konnte man die Vorteile der Fachwerk- und Blockbauweise nutzen. Später wurden die Konstruktionen im Bereich der Ställe und des Flurs als massive Bauteile errichtet, da diese durch die Feuchtigkeit schnell zu verrotten begannen. Die Bauweise blieb über die Jahre hinweg relativ unverändert erhalten. Die Menschen haben sie zwar immer wieder ihren Bedürfnissen angepasst aber eine klare Entwicklung zu bestimmten Formen und Konstruktionen ist nicht zu erkennen.



Umgebindehaus - Volksbauweise in der Oberlausitz
Bildurheber: bollmann

Diese Bauweise wurde im 16. Jahrhundert (1580) zum ersten mal erwähnt und ist schriftlich nachweisbar. Im wesentlichen erstreckte sich die Blütezeit des Hausbaus vom 17. bis zum 19. Jahrhundert. Aus dem späten 18. und dem frühen 19. Jahrhundert stammen die meisten der heute noch präsenten Häuser. Das „Reiterhaus“ in Neusalza-Spremberg ist ein noch besonders altes und erhaltenes Umgebindehaus. Der Begriff „Umgebindehaus“ entstand erst im 19. Jahrhundert, nachdem das Thema von Fachleuten wissenschaftlich vereinnahmt wurde. „Bundwerkhäusl“ wurden diese ursprünglich genannt.

 

 

Arten und Nutzung der Umgebindehäuser

Die Umgebindehäuser wurden, wie auch ihre Vielgestaltigkeit schon zeigt, auf verschiedenste Weisen genutzt. Es ist jedoch ein klares Grundprinzip zu erkennen.
Das Erdgeschoss war in Stube, Flur und Stall getrennt. Je nach benötigten Platz und den zur Verfügung stehenden Mitteln des Bauherrn wurde auch ein Obergeschoss errichtet.
Der Stall diente zur Unterbringung der Tiere und als Lagerraum. Seine Größe richtet sich nach den Bedürfnissen der Bewohner.
Der Flur erschloss das gesamte Haus. Reichte der Platz nicht mehr aus, wurden Lagerräume und Stall in Nebengebäude verlagert.

Die Stube wurde in erster Linie zum Aufstellen der Webstühle und zum Wohnen genutzt, da es zumeist der einzige beheizbare Raum im Haus war.



Umgebindehaus - Volksbauweise in der Oberlausitz
Bildurheber: Umgebindehaus J.Bollmann

"Reine" Weberhäuser

"Reine" Weberhäuser weisen sehr kleine Grundrissmaße von 6 x 10 m auf und hatten selten ein Obergeschoss. Der Stall wurde meist nochmals in Stall und eine kleine Kammer geteilt. Der Boden wurde als Lagerraum genutzt und somit entfiel die Scheune.

 

Kleinbauern- und Weberhäuser

Kleinbauern- und Weberhäuser weisen die typische Teilung in Stube, Flur und Stall auf, wobei der Stall hinten eine vom Flur aus zu begehende Kammer besaß. Der Stall wurde zur Viehhaltung genutzt. Wenn sich keine separate Scheune lohnte, wurde einfach eine vierte Zone als Scheune angebaut.

 

Bauernhäuser

Bauernhäuser wurden auf die gleiche Art genutzt, wie das Kleinbauernhaus. Sie besaßen jedoch meist ein Obergeschoss, deren Kammern verschiedentlich genutzt wurden und eine Scheune als Lagerraum. Es kam jedoch auch vor, dass die Scheune und der Stall als Nebengebäude errichtet wurden. So entstanden die Dreiseitenhöfe.



Umgebindehaus - Volksbauweise in der Oberlausitz
Bildurheber: Möckel

Faktorenhäuser

Die Bereiche in den Faktorenhäusern wurden oft noch mehrmals untergliedert. Sie besaßen zum Teil einen Schauraum für den Verkauf der Waren, verschiedene Arbeitsräume und eine separate Küche. Die Stallzone wurde in der Regel zum Lagerraum umfunktioniert. Die Umgebindezone der Faktorenhäuser wurde immer kleiner und betrug zum Teil nur noch 20 % der Gesamtfläche. Diese besaßen immer ein Obergeschoss. Auch hier konnten die Lagerräume in Nebengebäuden untergebracht werden. So entstanden Zwei- oder Vierseitenhöfe.

 

Häuser mit hauseigenem Handwerk

In Häusern mit hauseigenem Handwerk waren zumeist Schuster, Bäcker, Tischler und ähnliche zu Hause. Die Aufteilung der Räume wurde auf Grund der unterschiedlichen Bedürfnisse unterschiedlich gestaltet.
Auswärtige Handwerker und Tagelöhner haben zumeist nur gewohnt und man brauchte nicht viel Platz für Handwerk und Tiere.
Im Doppelstubenhaus wurde durch den erhöhten Platzbedarf für das Weben, der Stallbereich als Blockstube gebaut. Auch wenn keine Landwirtschaft betrieben wurde, kam diese Form des Umgebindehauses zum Einsatz. Dabei wurde das Umgebinde allseitig um das Haus angeordnet.
Wassermühlen und Schmieden wurden mit erheblichen Abweichungen von dem Grundtyp der Umgebindehäuser errichtet.



Heutige Nutzung

 

Die Nutzung der Umgebindehäuser war immer wieder dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel unterworfen.

Mit der zunehmenden Verlagerung der Weberei in die Fabriken und der Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion, somit war die ursprüngliche Nutzung der Umgebindehäuser nicht mehr nötig. Aus den einstigen Weber- und Bauernhäusern wurden nun reine Wohnhäuser. Moderne Sanitäreinrichtungen, die Elektrifizierung sowie Heizungsanlagen und die Erschließung des Obergeschosses als beheizter Wohnraum sind wesentliche Punkte, die in der heutigen Zeit eine Umgestaltung der Umgebindehäuser notwendig machen. Heute werden die Umgebindehäuser neben dem Wohnen auch als Pensionen, Gaststätten, Läden, Handwerker, Museen und andere kulturelle, gewerbliche und soziale Einrichtungen genutzt.


Denkmalschutz


Ein grossteil der heute noch erhaltenen Umgebindehäuser stehen bereits unter Denkmalschutz. Deshalb ist dies ein wichtiger Gesichtspunkt bei der Modernisierung und Sanierung von Umgebindehäusern.
Anforderungen aus dem Denkmalschutz ergeben sich meist nicht nur für die äußere Erscheinung des Gebäudes, meist ist auch eine verträgliche Nutzung mit der Unterhaltung bzw. Bewirtschaftung zu verbinden. Dies betrifft besonders der Bewahrung des Grundrisses, der einzelnen Räume und des gesamten Erscheinungsbildes des Gebäudes auch in seinem Umfeld in historischen Ortskernen, Straßenzügen oder Plätzen.
Jedes Umgebindehaus das unter Denkmalschutz steht stellt eine Besonderheit dar, die auch besonderer Beachtung bedarf. Dies soll nur ein kleiner Einblick in den Denkmalschutz sein da sich die Rechtslage ständige verändert und komplizierte rechtliche Belange kompetente Partner erforden.

  

Veranstaltungen rund um das Umgebindehaus

Seit 2005 wird der „Tag des offenen Umgebindehauses“ veranstaltet mit Ortsführungen, Handwerk, geöffneten Häusern und einer Ausstellung in der Hochschule Zittau / Görlitz, erfreuen die zahlreichen Besucher jedes Jahr aufs neue. Also seien Sie dieses Jahr auch dabei, wenn die Umgebindehäuser und deren Besitzer im Zittauer Gebirge und dessen Vorland, im Oberlausitzer Bergland, in der Hinteren Sächsischen Schweiz sowie in der angrenzenden polnischen und tschechischen Region wieder ihre Türen öffnen.


Umgebindehaus - Volksbauweise in der Oberlausitz
Bildurheber: bollmann

In der Oberlausitz haben sich viele Zimmereien und Tischlereien in Zusammenarbeit mit renomierten Architekturbüros auf die Rekonstruktion und Erhaltung sowie den kompletten Neubau von Umgebindehäusern spezialisiert.

Tischlerei Achtert  Sohland / Wehrsdorf

Zimmereibetrieb Klippel    Beiersdorf

DIETRICH + PARTNER architekten ingenieure  Wilthen

Heinze und Co. Gmb  Zittau



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